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Bereich: Eltern Kindergarten

Kategorie: Expertentipps

Tags: Digitalisierung, DusyMaker

Kinder der Zukunft verändern den Kindergarten


Antje Bostelmann
Pädagogin und Künstlerin, Gründerin von KLAX
 

Politik, Kommunen und Träger von Bildungseinrichtungen beginnen aktuell damit, sich das Thema anzueignen. Sie haben erkannt, wie notwendig es ist, das Thema Digitalisierung in Bildungsprozesse zu integrieren. Leider fehlt es an klaren politischen Statements und zentralen pädagogischen Vorgaben.

Wir können davon ausgehen, dass die Digitalisierung weiterhin auf verschiedenen Wegen in die Bildungsarbeit Einzug hält. Von einer Fokussierung auf Tablets, über die Nutzung digitaler Spielzeuge, bis hin zu Makeraktivitäten werden Kindergärten und Schulen unterschiedliche Ansätze ausprobieren.

Vom Konsumenten zum Produzenten

Die technischen Entwicklungen und ihr Einfluss auf das Leben der Menschen sind deutlich spürbar, doch gleichzeitig auch wenig voraussehbar. Dies erschwert es dem Kindergarten zu verstehen, für welche berufliche und gesellschaftliche Zukunft die Grundlagen bei den Kindern gelegt werden sollen.

Das Motto „vom Konsumenten zum Produzenten“ sollte über allen pädagogischen Entwicklungen stehen und Leitsatz für die pädagogische Arbeit des Kindergartens sein. Unabhängig davon, welcher Weg von der pädagogischen Einrichtung gewählt wird, es muss und wird stets um diese wichtigen Bildungsziele gehen:

  • Informationskompetenz: Die Fähigkeit Informationen bereitstellen und generieren zu können, gewinnt an Bedeutung unter den Bedingungen der digitalen Gesellschaft.
  • Technikkompetenz: Das notwendige Wissen, um Technik zu verstehen und anwenden zu können, bildet die Basis für jeden Bildungsweg in der digitalen Gesellschaft.
  • Produktionskompetenz und Programmieren: Die Fähigkeit selbst Digitales zu erschaffen, Computer programmieren oder umprogrammieren zu können, ist in naher Zukunft existentiell.

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Eine ethische Debatte ist notwendig

Es gibt Schulen und Kindergärten, die jedem Kind ein Tablett zur Verfügung stellen. Doch ist dies sinnvoll? Ein häufiger Lernansatz zu digitalen Medien besteht einfach darin, die Kinder mit den heute gängigen Technologien vertraut zu machen. Doch zu wissen, wie Technik benutzt wird, reicht alleine nicht aus. Wer nie hinter die Benutzeroberfläche schaut, sich stattdessen darauf beschränkt, die Nutzung spezifischer Technologien, wie Smartphones oder Tabletts einzuüben, ist für eine digital getriebene Gesellschaft nicht gerüstet.

Es geht darum, hinter die Oberfläche zu schauen und dabei zu verstehen, wie Technik funktioniert, wie Technologien aufgebaut sind und wie digitale Entwicklungen unser Leben beeinflussen.

Es braucht eine grundlegende ethische Debatte, auch unter Pädagogen, darüber, wie weit der Mensch die Hilfe der Technologien annehmen kann, ohne seine Selbstbestimmung aufzugeben. Der Ausgang dieser Debatte entscheidet über die Herausforderungen, vor denen unsere Kinder zukünftig stehen werden.

Wie lassen sich gute Materialien zur digitalen Bildung erkennen?

Kindergärten brauchen auch im digitalen Zeitalter Rahmenbedingungen in Form von Möbeln, Einrichtungs- und Ausstattungsgegenständen. Das Spiel- und Lernmaterial ändert sich nicht, wird aber durch neue Materialien ergänzt. Weltweit kommen täglich tausende digitaler Materialien auf den Mark. Die wenigsten sind für die Bildungsarbeit geeignet. Bei der Auswahl braucht es Unterstützung für die Pädagogen. Digitale Materialien müssen nach festgelegten Kriterien getestet und ausgewählt werden.

Dies könnten Kriterien sein:

1. Lernmaterial statt Spielzeug
Der Kindergarten braucht Material, welches für das Erkennen und Verstehen der Digitalisierungsprozesse unserer Gesellschaft geeignet ist.
2. Lernen statt Unterhaltung
Materialien, die einfach nur der Unterhaltung dienen, deren Funktionsweise nicht zu durchschauen ist und die sich nicht zum kreativen Gestalten eignen, gehören nicht in Kindergarten und Schule.
3. Hilfen zum Verstehen
Besonders digitales Material für den Einsatz in Kindereinrichtungen und Schulen ist in seiner Funktionsweise verstehbar, bzw. kann soweit auseinandergenommen werden, dass die Funktion erkennbar wird, es ist gestaltbar und kann zum eigenständigen Entwickeln genutzt werden.
4. Nachhaltigkeit
Jedes Material, welches im Kindergarten oder in der Schule eingesetzt wird, muss sich durch eine positive Umweltbilanz und saubere Herstellungsweise auszeichnen. Zugelassen sind Materialien, die einen Stromanschluss haben, also auf Batterien verzichten, unter guten Arbeitsbedingungen hergestellt wurden und in Materialauswahl und Herstellungsprozess die Umwelt nicht unnötig belasten.
5. Zulassung in Deutschland
Material, welches in Kindergärten und Schulen eingesetzt wird, muss über die in Deutschland notwendigen Prüfsiegel verfügen, bzw. diese erhalten können.
6. Lernsoftware ja oder nein
Im Kindergarten steht das Lernen in der realen Welt im Vordergrund. Die Kinder lernen die Welt kennen und verstehen. Sie tun dies in der freien Natur, durch Begegnungen mit authentischen Menschen und Schauplätzen, wie zum Beispiel bei einem Besuch im Rathaus, beim Bäcker oder der Feuerwehr und durch das Zusammensein mit anderen Kindern. Eine Verlagerung dieser frühkindlichen Lernanlässe in die digitale Welt ist für Bildungsinstitutionen nicht zulässig. Daher ist Lernsoftware im Kindergarten gar nicht und in der Grundschule sehr sparsam und sehr sorgfältig ausgewählt einzusetzen.

Die gute alte Lernwerkstatt bekommt eine neue Bedeutung

Bildungsinstitutionen haben zurecht den Anspruch, dass Raumausstattungen, Möbel und Materialien ihren Alltagsabläufen gerecht werden müssen. Es macht keinen Sinn, technische und digitale Lernmaterialien für Kindergärten und Schulen bereitzustellen, wenn es für diese keine intelligenten Aufbewahrungs-, Vorhaltungs- und Lagerungsmöglichkeiten gibt.

Digitale und technische Lernmaterialien sind kein Zusatzangebot. Ein extra Raum für digitale Tätigkeiten ist nicht sinnvoll. Das Computerkabinett ist Geschichte.

Stattdessen braucht es eine durchdachte Anpassung von Ausstattungskonzepten, damit diese auch für digitale Geräte geeignet sind. Gleichzeitig müssen diese Konzepte der rasanten Entwicklung in diesem Bereich Rechnung tragen.

Die Weiterentwicklung vorhandener Funktionsräume zu Lernwerkstätten, welche reale und digitale Materialien integrieren, wäre ein erster Schritt. Darüber hinaus stellt Technik an die Raumausstattungen in Kindergarten und Schule besondere Anforderungen:


1. Alltagsintegration und einfaches Handling
Die angebotenen Materialien müssen so platziert werden, dass sie den Alltag im Kindergarten unterstützen. Sie müssen von den Pädagogen leicht bereitzustellen und von den Kindern leicht erreichbar sein. Die meisten Materialien fordern zum aktiven Gestalten, Kombinieren und Verändern auf. Daher sollten sie im Zusammenhang mit Tischen und Sitzgelegenheiten angeboten werden.
2. Sicherheit
Viele technische und digitale Materialien sind teuer. Die pädagogischen Einrichtungen bemühen sich, die Materialien vor Zerstörung und Diebstahl zu schützen. Beides erreicht man nicht dadurch, dass Sachen verschlossen werden. Möglichst übersichtliche und klar strukturierte Präsentationen sorgen dafür, dass Material sichtbar und dadurch sicher ist. Es braucht einen geeigneten Platz, der die Gefahr der Geräte vor Missbrauch und Herunterfallen möglichst einschränkt.
3. Stromversorgung
Technische Geräte brauchen Strom. Damit pädagogische Abläufe nicht durch leere Akkus und entladene Geräte gestört werden, ist es sinnvoll, ein tägliches Aufladeritual in den Einrichtungen einzuführen. Dieses findet meistens nachts statt, so dass die Geräte am nächsten Morgen wieder einsatzbereit sind. Das Aufladen wird mit dem Aufräumritual verbunden. Die Kinder können selbst dafür sorgen, dass die Geräte an ihren Platz zurückkehren und dort mit Strom versorgt werden. Dazu müssen Möbel entsprechende Ladevorrichtungen erhalten.

Info: Eine Übersicht unserer Workshops und Fortbildungen finden Sie hier ⇒ zu den Workshops und Fortbildungsangeboten von Dusyma

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